LEGO® SERIOUS PLAY® an Hochschulen
LEGO® SERIOUS PLAY® (LSP) ist eine moderierte Methode, die das Denken mit den Händen nutzt: Teilnehmende bauen Modelle, erzählen Geschichten und entwickeln so gemeinsam Klarheit – besonders bei komplexen Themen, unterschiedlichen Perspektiven oder offenen Fragestellungen.
Was ist LEGO® SERIOUS PLAY®?
LEGO® SERIOUS PLAY® (LSP) ist eine strukturierte, dialogorientierte Methode, bei der Teilnehmende mit LEGO-Steinen Modelle bauen, um Gedanken, Erfahrungen und Ideen auszudrücken. Die Modelle und ihre Erklärungen beruhen sehr stark auf Metaphern: Sie machen Zusammenhänge sichtbar, erleichtern das Sprechen über komplexe Inhalte und fördern Verständnis für unterschiedliche Sichtweisen.
Im Zentrum steht nicht „das schönste Modell“, sondern die Bedeutung, die eine Person ihrem Modell gibt. Dadurch entstehen Gespräche und Erkenntnisse, die oft tiefer, konkreter und inklusiver sind als reine Diskussionen am Flipchart – weil jede Person etwas von seiner Perspektive teilt.
Nutzen des Ansatzes
- Sichtbarkeit: Abstrakte Vorstellungen (z. B. Präkonzepte, Rollen, Ziele, Perspektiven) werden greifbar.
- Gleichwertige Beteiligung: Jede Person baut und erklärt – das reduziert die Dominanz einzelner Stimmen.
- Reflexion & Transfer: Das Modell und der Prozess helfen, vom Erleben zur Erkenntnis und von dort zu nächsten Schritten zu kommen.
- Komplexität handhabbar machen: Mehrdeutige Themen lassen sich in Teilaspekte zerlegen und wieder zusammenführen.
Typischer Ablauf einer LSP-Session
- Zunächst wird den Teilnehmenden eine Frage gestellt, die den Bauauftrag enthält.
- Bauphase: Die Antwort auf die Frage wird durch das LEGO®-Modell gegeben. Dabei bestehen die Modelle zu einem großen Teil aus Metaphern. Dies ermöglicht es, mit einer begrenzten Zahl, Form und Farbe an Bauteilen nahezu unbegrenzt Informationen, Zusammenhänge und Gedanken auszudrücken. Neben dem Mitteilen der eigenen Perspektive werden durch das haptische ‚Erschaffen‘ der Antwort Denkprozesse angeregt und dokumentiert sowie neue Einsichten gewonnen.
- Teilen & Verstehen: Da das Modell nicht selbsterklärend ist, wird es im nächsten Schritt von der Person, die es gebaut hat, erläutert. Die Teilnehmenden werden angeregt die ‚Geschichte ihres Modells‘ zu erzählen. Dabei findet zumeist nicht nur eine Präsentation des Modells für die anderen Teilnehmenden, sondern auch eine vertiefte Auseinandersetzung des Erbauenden mit dem Modell statt. Letzteres führt in der Praxis dazu, dass auch der Erzählende selbst durch den Prozess des Erzählens neue Einsichten gewinnt.
- Reflexion & Transfer: Alle Teilnehmenden beteiligen sich durch Nachfragen zum Modell bzw. der erzählten Story am Prozess. Dadurch können bislang vernachlässigte Bedeutungen herausgearbeitet und ein geteiltes Verständnis der Perspektive der Person, die das Modell erschaffen hat, erreicht werden. Danach werden die Erkenntnisse gesammelt, gebündelt und in Handlungsoptionen, Entscheidungen oder nächste Schritte übersetzt.
Ergebnisse
Je nach Ziel entstehen z. B. eigene Sichtweisen, gemeinsame Leitbilder, priorisierte Handlungsfelder, abgestimmte Maßnahmen, oder strukturierte Rückmeldungen – und immer ein fruchtbarer Dialog.
Wofür eignet sich LSP an Hochschulen?
LEGO® SERIOUS PLAY® wird überall dort wirksam, wo Sachverhalte komplex sind: verschiedene Perspektiven, Rollen, unterschiedliche Interessen – und dennoch der Anspruch, zu tragfähigem Austausch oder gemeinsamen Lösungen zu kommen.
Schlüsselkompetenzlehre
In Lehrformaten kann LSP Reflexion und Transfer stärken, z. B. zu Zusammenarbeit, Führung oder Feedbackkultur. Durch den Prozess und die Modelle werden persönliche Perspektiven, Lernwege, Herausforderungen und Strategien konkreter besprechbar.
Curriculums- & Studiengangentwicklung
LSP unterstützt Teams dabei, Profile und Kompetenzziele sichtbar zu machen, Verständnisse abzugleichen und Entscheidungen zu finden.
Promotionskolloquien
In Kolloquien und Forschungswerkstätten kann LSP helfen, Forschungsvorhaben zu schärfen: z. B. Problemstellung, Forschungsfrage, Positionierung, Risiken und nächste Schritte. Mit der Methode lässt sich Peer-Feedback strukturieren, ohne die Person zu „bewerten“.
Weitere sinnvolle Einsatzfelder
- Lehrentwicklung auf Fakultäts-/Studiengangsebene
- Teamklausuren und Strategieworkshops
- Evaluation und Lessons Learned
- Rollen- und Schnittstellenklärung (z. B. in Projekten, Studiengangteams)